| Antikengrabungen
Mir gefiel unter den Alterthümern zu Rom kein Theil sowohl, als die alten Statuen, von welchen jetzo eine unglaubliche Menge vorhanden ist. Die Arbeit und die Kunst des Werkmeisters an denselben ist gemeiniglich die vortrefflichste in ihrer Art. Man muß sich verwundern, wie ein Stück Marmor so vieles Leben annehmen kann, als man an verschiedenen von den besten derselben bemerket. Und selbst an den schlechtesten hat man wenigstens das Vergnügen, daß man die Gesichter, die Stellung, die Geberden und die Kleidung der Leute daraus sieht, die so viele Jahrhunderte vor uns gelebt haben. Ob sich gleich die Anzahl der Statuen, die man unter den Ruinen des alten Roms gefunden hat, schon ziemlich hoch beläuft, so ist doch zu glauben, daß die Nachkommenschaft das Vergnügen haben wird, noch manche schöne Stücken von Bildhauerarbeit zu sehen, die gegenwärtig noch nicht entdecket sind.
Es giebt Leute zu Rom, die sich die
Erlaubniß kaufen, daß sie Felder, Gärten und Weinberge, allwo sie etwas von solcher Art
zu finden vermuthen, untergraben dürfen; und manche sind dadurch zu großen Reichthümern
gekommen. Sie bezahlen nach dem Maaße der Oberfläche und durchwühlen sie diejenigen
Theile, von denen sie sich am meisten versprechen können. Vielmals aber betrugen sie sich
in ihren Vermuthungen, und finden, daß ihnen andere bereits zuvor gekommen sind. Dem
ungeachtet gewinnen sie gemeiniglich bloß an Schutt und alten Mauerziegeln, welche die
jetzigen Baumeister den Neuern vorziehen, so viel, daß ihnen die Unkosten ihrer
Untersuchung reichlich ersetzet werden. Man zeigt mir zwei Plätze, allwo vormals das
goldne Hauß des Nero stand, für welche man dem Eigenthumsherrn eine außerordentliche
Summe Geldes gebothen hatte. Diejenigen, die die Unternehmung wagen wollten, waren durch
verschiedene sehr alte Bäume, die darauf gewachsen sind, darzu veranlasset worden. Denn
sie schlossen hieraus, daß diese Gegenden vermuthlich seit etlichen Jahrhunderten
unberührt geblieben wären. |
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