Antiken wie sie wirklich sind

(Bericht über eine merkwürdige Reise in hesperischen Gefilden, als Warnungsstimme für Alle, die sich dahin sehnen", von Gustav Nicolai, Königl. Preuß. Divisions Auditeur, 1835)

 

Wir haben nunmehr zwei vorzügliche Alterthümer Sammlungen Italiens, eine in Florenz, eine andere hier in Rom gesehen. Auch in dieser Beziehung findet sich meine Erwartung betrogen. Es mag natürlich sein und den Anforderungen der Pietät entsprechen, dasjenige aufzubewahren und in Ehren zu halten, was von den Vorfahren herrührt; allein man sollte dabei doch mit einiger Auswahl zu Werke gehen, namentlich, wenn es sich von Gegenständen der Kunst handelt. Neben einigen guten Bildwerken sieht man die elendesten, fratzenhaftesten Versuche und nichtssagende Trümmer aufgestellt; enthusiastische Archäologen und befangene Künstler vergöttern indessen Alles, was die italienischen antiken Sammlungen aufbewahren, und oft wird für das Werk eines großen Meisters erklärt, was von einem Stümper herrührt.

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Wann werden die Menschen endlich klug werden? Können sie sich denn nicht vorstellen, daß es auch im Alterthume schlechte und gute Künstler gegeben hat? - Man denke sich nur, daß irgendeine civilisierte Stadt der Gegenwart unterginge, und nach einem Jahrtausend wohl erhalten wieder ausgegraben würde, wieviel mittelmäßige Produkte der Kunst und Industrie würden neben den bessern an's Tageslicht gefördert werden! Allen die Archäologen würden dann überall Wunder schreien und mit lautem Entzücken in den groben Basreliefs eines alten Ofens aus gebranntem Thon, gefertigt von der Hand eines unwissenden Töpfergesellen, oder in einer schlechten Gypsfigur, die ein italienischer Herumtreiber für wenige Groschen angefertigt, treffliche Werke der Kunst erkennen. Die Alterthumskrämerei ist eine beklagenswerthe Manie!

 
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